RPP Tagung | Alles göttliche Komödie?
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Alles göttliche Komödie?
Deutung und Bedeutung von Humor in westlicher Philosophie und Religionstradition.

Dr. theol. Johannes Maria Schwarz

Platon hat einst sorgenvoll die Stirn gerunzelt, als seine Finger über die Zeilen der Iliad und der Odyssee glitten, wo vom „schallenden Gelächter“ am Götterberg Olymp die Rede war. „Im Allgemeinen ist das Lachhafte eine Art Übel, eine Untugend“ schreibt er in Philebus. Und wenn, wie Alfred North Whitehead zitiert wird, „alle abendländische Philosophie als Fußnote zu Platon zu verstehen ist“, dann hat der große griechische Denker in der Tat bis in die Moderne dem Clown das Leben schwer gemacht. Von Pythagoras und Cicero bis Hobbes und Descartes schüttelten fast alle streng den Kopf.

In der Bibel als zweiter Quelle der westlichen Kultur, lacht der Gott der Israeliten zwar, aber er tut es voll Verachtung über die Mächtigen der Welt (Ps 2, 2-5) und kommt ganz ohne Schenkelklopfer aus. Ist es da ein Wunder, dass Johannes Chrysostomus vor dem Grinsen warnt, dass Antonius der Wüstenvater so wie Sankt Martin mit den Gänsen den Ruf genossen, nie gelacht zu haben? Benedikt von Nursia schreibt im 4. Kapitel seiner Regel über die Werkzeuge der geistlichen Kunst: „Leere oder zum Gelächter reizende Worte meiden. Häufiges oder ungezügeltes Gelächter nicht lieben.“

Doch nicht nur im Westen, auch im Fernen Osten verging dem Humoristen schnell das Lachen. Buddha hat, so die ursprüngliche Tradition aus Indien, maximal gelächelt – in der mildesten der sechs Stufen. Seine Zähne habe er dabei freilich nicht gezeigt? Undenkbar! Und als Franz Lehár seine romantische Operette über das „Land des Lächelns“ komponierte, war Konfuzius nahe daran aus dem Grab heraus zu hüsteln.

Doch warum ist in der Geschichte das Lachen so verpönt – eine Eigenschaft, so darf man nicht vergessen, die heute unter jungen Menschen gemeinsam mit Ehrlichkeit als wichtigste Eigenschaft im Partner empfunden wird (R. Goodwin, 1990)? Oder sollten wir vielleicht besser fragen: Was war am Lachen verpönt? Warum verstanden die Philosophen keinen Spaß? Warum hoben Kirchenväter mit zitternden Bärten ihre Zeigefinger?

In der Beantwortung dieser und anderer Fragen gilt es zunächst zu erörtern, warum wir überhaupt als Menschen lachen. Die verschiedenen Theorien hierzu helfen alsdann den Widerspruch zu sehen, der sich gegen das Gelächter erhob und gleichzeitig, warum sich Humor beim zweiten Hinsehen an allen Ecken findet und finden muss. Denn das Lachen kann, wie sich zeigt, nicht nur eine wertvolle gesellschaftliche Funktion besitzen, sondern auch für die Gesundheit des geistlich-religiösen Lebens eine wichtige Voraussetzung sein. Das erkannte schon Thomas von Aquin. Und der, dem die Geschichte den Namen „Brüllender Ochse“ beigestellt hat, muss ja schließlich wissen.

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